10 Heinrich Kayser
*
1842
†
1917
Berlin wuchs, und Kayser baute. Bahnhöfe, Villen, Kirchen – und ein Architekturbüro, das fast vier Jahrzehnte lang Aufträge hatte. Sein Bruder erfand das Kayser-Zinn. Die Familie hinterließ Spuren.
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Im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung Berlins sprunghaft an. Aus allen preußischen Provinzen strömten Menschen in großer Zahl in die Residenzstadt oder wurden als Lehrkräfte an die sich bildenden Hochschulen und Akademien berufen. Berlin wurde zu einem der führenden deutschen Anziehungspunkte für Studierende und Lehrlinge. 1799 war die Berliner Bauakademie gegründet worden. Mitte des 19. Jahrhunderts veränderten sich die Bestimmungen für Bauwettbewerbe, so dass sich zahlreiche private Architekturbüros gründeten. Der enorme Bedarf an neuen großen öffentlichen Bauten und ebenso an Wohngebäuden für alle sozialen Schichten – von der Berliner Mietskaserne bis zur großbürgerlichen Villa, vom Industriebau bis zum Gutshaus – machte nicht nur aus kleinen Handwerksbetrieben große Unternehmen, sondern brachte zahllosen Architekten Aufträge und Wohlstand. Das von Arnold Hartmann entworfene und von Gerhard Janensch mit einer Porträtbüste geschmückte Erbbegräbnis für den Geheimen Baurat Prof. Dr. Ing. h. c. Heinrich Kayser ist Ausdruck des gesellschaftlichen Aufstiegs. Kayser, Sohn eines Zinnwarenfabrikanten – das von Heinrichs Bruder Engelbert Kayser erfundene Material ‚Kayser-Zinn‘ ist noch heute ein Begriff – stammte aus Duisburg. Er studierte in Krefeld Maschinenbau, in Bonn machte er eine Schlosser- und eine Mauerlehre. 1864-1866 arbeitete er als Zeichner in der Hochbauabteilung des Magistrats, um dann, unter Richard Lucae, die Bauakademie zu besuchen. 1872, ein Jahr nach der Gründung des Deutschen Reichs, eröffnete er zusammen mit seinem Studienkollegen Carl von Groszheim in Berlin ein Architekturbüro, das bis 1911 bestand. 1879 wurde er Mitbegründer des Vereins Berliner Architekten, 1883 Mitglied der Akademie der Künste. Von den zahlreichen Bauten haben sich in Berlin etwa das Pschorr-Bräu-Haus an der Friedrichstraße, Ecke Behrenstraße, die Villa Huldschinsky am Wannsee und das Mausoleum Freese auf dem Georgen-Parochial-Friedhof II erhalten.
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