8 Georg Wertheim

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1857

1939

Sein Vater erfand das moderne Warenhaus. Sein Name steht noch auf Gebäuden in Berlin. Er selbst starb 1939, ruiniert vom NS-Staat – und liegt hier begraben, gegenüber dem Grab der Familie seiner Ex-Frau.

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Der Name Wertheim ist einer jener Familiennamen, die noch immer den Charakter einer Ortsbestimmung tragen. Der Erfinder des modernen Warenhauses, Abraham Wertheim (1819-1891), eröffnete 1875 ein Ladengeschäft für Mode- und Manufakturwaren in Stralsund. Ausgebildet in England, setzte er mit seinen beiden in Berlin ausgebildeten Söhnen Hugo und Georg die im britischen Königreich erlernten moderne Geschäftsprinzipien um. Kunden konnten die Waren ohne Kaufverpflichtung anschauen, ein Umtausch der Ware war möglich. Eine weitere Innovation war die Einführung von Festpreisen. Ein Anschreiben lassen der Rechnung war nun aber nicht mehr möglich. Es bestand Barzahlungspflicht. 1885 eröffnete Georg Wertheim, seit 1883 Hauptverantwortlicher der mit seinen Brüdern gegründeten ‚Offenen Handelsgesellschaft „A. Wertheim“, in der Rosenthaler Straße 27 sein erstes Berliner Geschäft. 1888 zogen die Wertheims nach Berlin. 1891 konnte der erste Neubau in der Oranienburger Straße eröffnet werden, 1897 ein weiterer in der Leipziger Straße 133. Überregional bekannt wurde 1904 der Erweiterungsbau am Leipziger Platz. Der reich mit bauplastischem Dekor geschmückte Kopfbau ging, wie schon der erste Bau an der Leipziger Straße, auf Entwürfe Alfred Messels zurück. Der Siegeszug von „A. Wertheim“ wurde 1933 durch die rassistische Politik des NS-Staates jäh unterbrochen. Der zum Christentum konvertierte Georg Wertheim versuchte den Konzern zu retten, indem er 1934 seiner so genannt „arischen“ Ehefrau Ursula, einer geborenen Gilka, seine Geschäftsanteile übertrug und sich 1938 von ihr scheiden ließ. 1939 starb er an einer Lungenentzündung. Gegenüber dem Gruftbau der Familie Gilka wurde Georg beigesetzt. Hauptschmuck der aus Muschelkalkstein gefügten Grabarchitektur bildet ein aus Venedig stammendes byzantinisches Kapitell, dass, ausgehöhlt, nun als Pflanztrog dienen konnte. Ursula hatte 1941 den Haus-Juristen Arthur Lindgens geheiratet, der zu dieser Zeit den Großteil der Firmenanteile verwaltete. Beide liegen ebenso hier bestattet.

Audioguide entstanden mithilfe von KI