4 Charlotte von Kalb geb. Marschalk von Ostheim
*
1761
†
1843
Schiller liebte sie. Goethe mied sie. Hölderlin schrieb in ihrer Nähe den Hyperion. Charlotte von Kalb war die faszinierendste Frau, von der die Weimarer Klassik nie erzählt.
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Im idyllisch gelegenen Schloss Waltershausen in Unterfranken aufgewachsen, von den Eltern in eine unglückliche Ehe mit dem Berufsoffizier Heinrich von Kalb gezwungen, gelang es Charlotte mit Intelligenz und Ehrgeiz den Austausch mit gebildeten Männern aufzubauen. In Mannheim lernte sie 1784 Friedrich Schiller kennen und erglühte in Liebe zu ihm. Als Muse, Laura genannt, inspirierte sie Schiller zu Schriften wie ‚Freygeisterei der Leidenschaft‘ und ‚Resignation‘ voller leidenschaftlichem Gefühl. Da Charlotte verheiratet war, entschied sich Schiller aber für Charlotte von Lengefeld. Der 1788 in Weimar zu Johann Wolfgang von Goethe aufgebaute Kontakt blieb von Seiten des Dichters reserviert: Charlotte war ihm zu exzentrisch. 1793 wurde Friedrich Hölderlin auf Vermittlung Schillers Erzieher ihres Sohnes Ernst. Die erste Fassung seines Romans Hyperion entstand in Waltershausen. Auch Hölderlin und Charlotte verbanden starke Gefühle. Mit dem Dichter und Theologen Johann Gottfried Herder stand sie in Briefkontakt, der von intellektuellem Austausch und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war. Sie korrespondierten intensiv über seine philosophischen ‚Ideen zur Humanität‘. Herder schätzte ihre scharfe Beobachtungsgabe. 1804 verlor Charlotte durch die Spielsucht ihres Mannes ihr Vermögen. Major von Kalb erschoss sich 1806, bald darauf auch der gemeinsame Sohn Fritz. Charlottes Tochter Edda, Hofdame der preußischen Prinzessin Marianne, ist es zu verdanken, dass Charlotte ihren Lebensabend lange im Berliner Schloss verleben konnte. Die geringe königliche Pension besserten Charlotte und Edda durch einen kleinen Handel mit Tee und selbstgefertigten Textilien auf. Edda diktierte die zuletzt erblindete Charlotte ihre Lebenserinnerungen in Gestalt zweier Romane. Den gebildeten Fremden, die sie neugierig auf sehr private Geschichten aus dem vergangenen Weimar Dichterkreis besuchten, galt Charlotte als „Sehenswürdigkeit“.
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